Seiten

Montag, 19. August 2013

15.8. Seydisfjördur 345 km



Um 8:30 Uhr mussten wir heute unsere Kabine verlassen, denn die Ankunft in Seydisfjördur war um 10:30 Uhr


Das Verlassen der Fähre klappte reibungslos und dabei durften auch alle Mitfahrer im Auto sein. Es holperte zwar wieder mächtig und das war vielleicht auch der Auslöser für die Überraschung die uns bald ereilen sollte. Bis zur nächsten größeren Stadt waren es ca. 30 km durch eine traumhaft schöne Hochgebirgslandschaft vorbei an mehreren Wasserfällen.


Es ging ziemlich steil bergan und wieder bergab und irgendwann kam mir das Geräusch unseres Autos merkwürdig vor und ich empfand es nicht mehr als normal. Ob das Getriebe irgendeinen Schaden hatte, denn so hatte der Motor noch nie ununterbrochen aufgeheult. Das beunruhigte mich. Gott sei Dank waren wir gleich in Egilsstadir und als die Anderen im Supermarkt einkaufen waren, erkundigte ich mich im Infozentrum nach einer Autowerkstatt. Zum Glück hatte es hier auch einen Toyota-Händler. Der kannte sich zwar nicht mit dem Prius aus, konnte jedoch das Problem schnell finden: unser Auspuff war gebrochen. Ich war erst mal froh, dass es nichts Schlimmeres war, nur war in der Werkstatt schon alles ausgebucht und er hatte heute keine Zeit mehr, den Auspuff zu reparieren… So ähnlich hatte ich mir Abenteuer-Urlaub vorgestellt. Unterdessen war es gleich Mittag und wir hatten noch die ganze Tagestour bis zur nächsten Unterkunft vor uns.
Der Toyota-Händler verwies uns an eine andere Werkstatt. Dabei muss ich erwähnen, dass unsere Isländisch-Kenntnisse am ersten Tag noch recht dürftig waren und die Einheimischen auch nicht alle fließend Englisch sprechen. Mit Hilfe eines Stadtplanes konnten wir die andere Werkstatt schnell finden und einer der Arbeiter sagte uns, er könne das gern nach dem Mittag reparieren. D.h. er geht jetzt erst Essen und danach können wir wiederkommen oder halt auch später. So hatten wir noch etwas Zeit, um uns in der Stadt umzuschauen. Zurück in der Werkstatt wusste man schon, dass wir kommen. Und obwohl der Kollege noch nicht mit dem Mittagessen fertig war, ging es dann recht schnell: Auto auf die Bühne, Auspuff sauber abtrennen, entsprechendes Rohr zuschneiden und vor dem Endtopf anschweißen.


In 30 Minuten war alles erledigt. Vorsorglich hatte ich noch einmal ein paar (d.h. 20 000) isländische Kronen bei einem Geldautomaten abgehoben, denn hier auf der Insel ist alles etwas teurer als bei uns im Aldi. (Eine Größenordnung, mit der ich nach 5 Stunden Island auch noch nicht vertraut bin: 1 Euro = ca. 150 isl. Kronen). So war ich gespannt auf die Rechnung. – Mit 3000 Kronen in bar war die Sache erledigt. Jetzt konnten wir beruhigt weiterfahren. Immerhin war unser Tagesziel noch 300 km weit entfernt. 

Der Weg führte uns an den Ostfjorden entlang, aber viel Zeit für die Sehenswürdigkeiten blieb uns heute nicht mehr.


Petras Steinesammlung, eine der größten privaten Steinesammlungen, habe ich mir daher nur von außen angeschaut.


Wir machten einen kurzen Stopp am Strand, der hier nicht weiß wie bei uns ist, sondern schwarz

Und dann hatten wir wieder ein Problem: Wir suchten unsere Unterkunft. In der Beschreibung hörte sich das so an: "Brunnavellier befindet sich entlang einer Abgabelung der Straße 1, 30 km östlich von Jökulsarlon und 45 km westlich von der Ausfahrt nach Höfn, auf der Nordseite von der Straße. Diese Abgabelung befindet sich gerade westlich von der Brücke über den Fluss Stadara und Brunnavellier ist fast am Ende der Abgabelung. Das Ferienhaus ist offen und sie können einfach einreten. Notfalls können sie den Besitzer anrufen." Leider war die Kilometerangabe von Höfn aus falsch und wir suchten vergebens nach der richtigen Abgabelung. Endlich, ca. 5 km weiter war eine Tankstelle in Sicht.

Das hat uns aber nicht wirklich weitergeholfen und die Frage war: "zurück oder vorwärts, du musst dich entscheiden". Wir entschieden uns für weiterfahren. Irgendwann entdeckten wir auch mal ein bewohtes Haus, aber der Mann dort verstand nur ganz wenig Englisch. Aber es reichte. Die Richtung stimmte noch und auf die GPS-Koordinaten war Verlass. So erreichten wir gegen 20:00 Uhr unser erstes Quartier auf der Insel und es stimmte: Die Tür war offen und wir konnten eintreten.





13.-15.8. auf der Fähre




Plötzlich ging alles ganz schnell. Nachdem wir 3 Stunden vor Abfahrt an der Fähre waren, hatten wir eine gute Warteposition und konnten durch den Zaun sehen, wie die die Fähre ankam. Zwei Stunden vor Abfahrt lief dann eine Frau durch die Reihen und sammelte schon einmal das ticket für´s Auto ein. Kein Problem. Doch plötzlich hieß es, dass nur der Fahrer im Auto bleibt und die anderen mit dem Gepäck zu Fuß gehen müssen und schon setzen sich die Autos in Bewegung. Also mussten die Mitfahrer schnell das Gepäck für die Kabine unter den Arm nehmen und los ging es. Die go-pro-Kamera habe ich noch angeschaltet um wenigsten ein paar Bilder von der Einfahrt auf die Fähre zu machen. Die Autos schlängelten sich in den Bauch des Schiffes, fuhren hinauf und wendeten um dann dicht an dicht hintereinander und nebeneinander zu parken. Um zu schauen, ob mit der Dachbox nach oben noch Luft war, hatte ich keine Zeit. Es holperte, knallte und kratzte zwar ständig, aber das waren nur die stählernen Bodenplatten. So sah es dann im Parkdeck für die Autos aus.:


Anhalten, Aussteigen, Spiegel anklappen, Gepäck mitnehmen und irgendeinen Ausgang finden, denn ständig kamen neue Autos in´s Schiff.
In der Eile hatte ich dummerweise vergessen, die Handbremse anzuziehen, d.h. bei diesem Auto habe ich noch nie eine Handbremse angezogen, sondern die Feststellbremse wird mit dem Fuß betätigt (wie bei einem älteren Mercedes. Ob und wie ich das Auto wiedergefunden habe, erfahrt ihr später). So war ich einer der Ersten auf der Fähre und musste dann erst mal auf die Anderen warten. Nach 10 Minuten hatten wir uns alle wieder im Schiff getroffen und mussten noch ein paar Minuten warten, bis die Kabinen bezugsfertig waren. Immerhin sind ja gerade über 1000 Passagiere von Bord gegangen und nun kamen wir für die Fahrt nach Island. 

Jetzt hatte unsere „Kreuzfahrt“ begonnen. 

Überpünktlich legten wir bei Sonnenschein ab. Von Deck aus beobachteten wir, wie das Festland langsam immer kleiner wurde und dann schließlich am Horizont verschwand. Jetzt gab es ringsum nur noch Wasser, Wind und Wolken. 


Vom Deck ging es über eine Eisentreppe noch eine Etage höher bis an die Bugspitze. Dort wehte mir der Wind mit voller Kraft um die Nase und die Fahne flatterte wie toll im Wind. Also wieder zurück und die Eisentreppe hinab. Diese hat ca. 15 Stufen und bei dem Wind habe ich mich auch gut festgehalten, aber ehe ich mich versah, war ich schon unten. Das kam wahrscheinlich daher, da das Deck nass war und somit auch meine Salomon-Schuhe mit der Gummisohle. Da nutze auch das tolle Profil nichts. Gott sei Dank ist mir jedoch nichts weiter passiert, außer einer leichten Prellung an Hüfte und Ellebogen.


Monika hatte ein mindestens ebenso spannendes Erlebnis, was sie uns am nächsten Morgen erzählte: Als wir am Abend, d.h. in der Nacht noch an irgendwelchen Bohrinseln vorbeifuhren, wollte sie sich das gern von Deck aus näher ansehen. Der Wind wehte wohl ziemlich stark und mit dem Fernglas ist sie dann an ihre Brille gestoßen, bzw. hat diese angehoben oder verschoben und im Nu hat eine Windböe ihr die Brille von der Nase gerissen und mit sich fort getragen. Und so sind dann mal gleich 800,- Euro vom Winde verweht.
Hier seht ihr, wo unsere Reise langführte: 

So sah es in unserer Kabine aus:


Und hier ist der Eingang zum Restaurant im Schiff:


Am nächsten Tag kamen wir am Abend an den Farörer Inseln an. Eine Durchsage auf isländisch, farörisch, englisch und deutsch verriet uns, dass 2 Stunden vor Ankunft das Autodeck für 15 Minuten geöffnet wird. Das war meine Chance, dann auch die „Handbremse“ anzuziehen. Unser Auto hatte den Seegang bisher gut überlebt. Bei der Gelegenheit entdeckte ich, dass einige Isländer ihr Auto sogar mit Gurten an den Bodenplatten gesichert hatten.

Der Stopp auf den Farörer Inseln war nur für 30 Minuten zum Ein- und Aussteigen und schon ging es um 18:00 Uhr wieder weiter. Während des Abendbuffets fuhren wir zwischen hohen Klippen und grünen Steilhängen hindurch und auch die Sonne ließ sich wieder mal kurz sehen, nachdem wir den ganzen Tag nur in einer dichten Wolkensuppe unterwegs waren. Bevor wir die Inselgruppe endgültig verließen schaffte ich es noch an Deck um ein paar Fotos zu machen.
Dann ging es weiter in Richtung Norden.